Rede zum 1. August

< Um die folgende Rede einordnen zu können, muss man wissen, dass die Schweizer am 1. August ihren Nationalfeiertag feiern. Zu diesem Anlass finden in (fast) allen Gemeinden 1. August-Feiern statt, an denen jeweils eine mehr oder weniger bekannte Persönlichkeit (häufig ein*e Politiker*in) eine Rede hält. Darin wird dann meist auf die Erfolgsfaktoren, die die Schweiz zur Schweiz gemacht haben, eingegangen und daraus Appelle für zukünftiges Handeln abgeleitet. Handeln, das sicherstellen sollte, dass die Schweiz eine prosperierende Nation bleibt. >

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Liebe Andere,

< Apelle gehen natürlich in ersten Line an stimmberechtigte Bürger*innen, aber je nach politischer Couleur will man auch gewisse «Liebe Andere» nicht aussen vor lassen, die zu den Feiern auch zugelassen sind. >

Wir alle wissen, dass unsere Gesellschaft vor grossen Herausforderungen steht. Diese reichen von «A» wie Altersvorsorge, über «K» wie Klimapolitik, bis «Z» wie Zuwanderung. Diese Rede wird heute nicht enden, wenn ich das ganze Alphabet durchbuchstabieren würde, deshalb will ich mich auf «E» wie Europapolitik beschränken.

< Man muss wissen, dass die Schweiz nicht Teil der Europäischen Union ist. >

Seit Dekaden ringen wir in unserem Land um die richtige Europapolitik oder konkreter um die Gestaltung des Verhältnisses zur Europäischen Union. Es ist wohl nicht falsch zu behaupten, dass eine klare Haltung in dieser Sache, in einer mehr oder weniger grossen Skepsis von rechts bis (etwas weniger) links gegenüber unterschiedlichsten Aspekten des EU-Allgemeinverständnis liegt. 

Ja, die Europäische Union mag einen Hang zum Zentralismus haben.

Ja, die Europäische Union mag einen Hang zur Vereinheitlichung haben.

Ja, die Europäische Union mag einen Hang zur Überregulierung haben.

Ja, die Europäische Union mag einen Hang zum Schulmeistern haben.

All das steht etwas im Clinch mit unserem Hang zu Freiheit, Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Föderalismus, was es bis heute schwer gemacht hat, uns Schweizer für dieses bürokratische Monster zu erwärmen.


Aber schauen wir es von einer anderen Seite an. Unser Eigensein kosten uns viel Energie. Dauernd müssen wir international rechtfertigen, warum wir hier oder da nicht mitmachen oder es anders machen wollen. Wir müssen mühsam unsere eigenen Handelsbeziehungen mit dem Reste der Welt definieren. Und trotzdem sind wir immer wieder gezwungen, zähneknirschend absurde Regeln der EU mindestens teilweise zu übernehmen. Es ist ein bisschen wie in einem Ruderboot auf dem weiten Ozean, man kann sich anstrengen und rudern wie ein Irrer, um eine eigene Richtung zu verfolgen, aber ist trotzdem machtlos dem Wellengang ausgeliefert. 

Warum also begeben wir uns nicht einfach in den Schoss der EU und lassen uns von den Wellen tragen? Am Anfang würden wir wohl noch zu den Nettozahlern in der Union gehören. Aber wenn wir uns geschickt anpassen, z.B. indem wir eine 30 Stundenwoche, grosszügige Elternzeiten und Kindergeld, sowie eine Vielzahl von neuen Subventionen einführen, werden wir nach wenigen Jahren auf die Seite der Nettobezüger wechseln und uns treiben lassen können. 

Nur! Jahre werden wir gar nicht warten müssen, denn es bestehen auch kurzfristig Möglichkeiten, Kapital aus einem Beitritt zu schlagen. 

Als erstes reduzieren wir die Ausgaben für unsere Armee. Im Herzen von Europa werden wir nicht wirklich eine Armee brauchen, dafür haben wir dann unserer Nachbarn. Wir werden also unsere Ausgaben auf ein absolutes Minimum reduzieren können. Mit dem wenigen Geld, dass wir trotzdem gezwungen sein werden in Verteidigung zu investieren, werden wir zuerst einmal unsere Angehörige der Armee besser entlohnen. 

Als nächste melken wir die Schweizerische Nationalbank. Wenn wir auch die Einführung des Euro anvisieren, brauchen wir diese in der heutigen Form nicht mehr. Die angehäuften Reserven könne wir also schon vorher grosszügig verteilen. 

Dies sind nur zwei Beispiele, wie wir von der EU profitieren können. Drum rufe ich Euch auf: werft die alten Ängste über Bord! Wagen wir den Sprung! Wir werden uns im EU-Ocean treiben und es uns gut gehen lassen können, ohne wie Irre zu rudern!

< Wer mit dem Schweizer Naturell etwas vertraut ist, wird erraten, dass diese Rede so kaum gehalten werden wird. >

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