Die zehn Verbote

Endlich ist es geschafft. Die Liste ist fertig. Ihr werdet jetzt fragen, warum das so lange gedauert hat. Die Antwort ist einfach. Wenn man einmal darüber nachzudenken beginnt, dann stellt man schnell fest, dass die Liste der Dinge, die man zum Wohle der Menschheit und des Planten verbieten sollte, endlos ist. Aber wir können ja nicht mit einer endlosen Liste von Verbotsforderungen operieren. Da würden wir unsere Kräfte verzetteln. 

Es kann aber auch nicht einfach darum gehen, Verbotsforderungen zu wiederholen, die schon lange unbestritten sind, wie Fleischkonsum, Fliegen, Plastikverpackungen, Alkohol oder Pornographie. Die neuen Verbote sollten Pioniercharakter haben, indem sie Missstände beseitigen, die noch nicht offensichtlich sind. Hier sind sie:

«Winner takes it all» Spiele: In diese Kategorie gehören Spiele wie Monopoly oder Risiko. Bei diesen Spielen geht es immer darum, dass ein Mitspieler alle Felder aufgekauft und die anderen in den Bankrott treibt oder dass einer alle anderen Spieler ausschaltet und die ganze Welt erobert. Diese Spiele fördern bei denjenigen, die ein Geschick dafür haben, auch im realen Leben den Appetit, zum Monopolisieren und andere zu beherrschen. Um solche Gelüste nicht zu fördern, gehören diese Spiele verboten.

Blindenhunde: Blindenhunde werden landläufig verklärt. Der treue Begleiter, der es einem Blinden erlaubt, sich selbständiger zu bewegen. Aber man muss sich das mal aus der Sicht des Hundes betrachten. Er wird jahrelang hart für eine Aufgabe trainiert, die in keiner Weise seinem Naturell entspricht. Er wird in eine Rolle versklavt, nur damit sich ein Mensch freier bewegen kann. Dem Tier wird Freiheit geraubt, um sie einem Menschen zu geben. Das darf nicht sein. 

Benennen von Tiefdruckgebieten: Tief Anna ist zur Zeit wetterbestimmend. Wer kennt solche Aussagen aus den Wettermeldungen nicht. Auf den ersten Blick harmlos. Wenn sich aber Anna zu einen Orkantief entwickelt und verheerende Verwüstung anrichtet, dann wird man in Zukunft von Anna sprechen, die das Land heimgesucht hat. Und immer wenn Anna sich vorstellt: Hallo ich bin Anna! Wird jemand sagen: Wie der Jahrhundertsturm, hahaha. Damit ist Annas Name negativ konnotiert, ohne dass sie was dafürkann. Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese Namen keineswegs nötig, es könnte ganz einfach Tief 13-2022 heissen. 

Steckdosen: Stecker und Steckdosen sind eine perfid suggestive Methode zur Zementierung des binären Geschlechterverständnis. Jedes Mal, wenn ein Gerät an den Stromkreis angeschlossen wird, schreit es laut aber unhörbar: «Nur die klare Abgrenzung von weiblich und männlich ermöglicht eine funktionierende Welt!» Besonders stossend ist auch der Umstand, dass Steckdosen häufig in Wänden an fixen Positionen montiert sind. Was so viel aussagt wie: Die Frau hat einen klar definierten Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen, während der Mann sich frei bewegen kann. Mit der Abschaffung der Steckdose hat sich auch der Stecker erübrigt.

Unterwäschewerbung: Wir kennen sie alle. Werbung für Unterwäsche getragen von Models mit perfekten Proportionen. Keine Fettpolster, keine krummen Beine, keine Cellulite. Werbung, dazu angetan, normal gebauten dauernd ein Gefühl der Unzulänglichkeit zu vermitteln. Die Anstrengungen der Werbeindustrie, dem entgegenzuwirken, sind erbärmlich und vielleicht bewusst verhöhnend. Da wird neben dem uns geläufigen perfekten Model noch ein kurviges Model gestellt. Mit verheerenden Konsequenzen. Wir alle wissen, dass wir nicht einmal dem kurvigen Model das Wasser reichen können, geschweige denn dem klassischen. Es wird uns vor Augen geführt, dass die Distanz noch grösser ist, als wir zu glauben hofften. Die gefühlte Unzulänglichkeit wird jetzt definitiv unerträglich. 

Geschirrspüler: Der Geschirrspüler ist wohl das perfekte Beispiel dafür, wie wenig wir uns um unseren Dreck kümmern. Einen Teller mehr oder weniger besudeln, ein Glas mehr oder weniger benutzen, eine Pfanne mehr oder weniger verschmutzen? Spielt keine Rolle, ab in die Spülmaschine damit. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie wir uns wohl verhalten werden ohne Spülmaschine. Würden wir das Wasserglas nach einmaligem Gebrauch gleich abwaschen oder für den Rest des Tages weiterverwenden?

Fliegenklatschen: Fliegenklatschen? Ja, Fliegenklatschen? Gibt es etwas Geeigneteres, als die Fliegenklatsche, um die Machtasymmetrie zwischen Tierwelt und Mensch zu verdeutlichen? Die Klatsche ermöglicht es, einen Schlag so schnell zu führen, dass die Fliege keine Chance hat, auszuweichen. Zugegeben, Fliegen können lästig sein, aber wenn man sich ihrer schon entledigen will, soll man dies mit gleich langen Spiessen, will heissen mit dem nötigen Geschick ohne Hilfsmittel erledigen müssen. Die Fliege entweder aus der Luft oder auf einer Fläche einfangen. Oder man soll sie mit der Hand auf dem Tisch zerklatschen ohne dabei Gläser und andere Gegenstände umzuwerfen. 

Fellimitate: Eigentlich muss es positiv bewertet werden, dass keine Pelze und Felle mehr für Kleider oder Möbel verwendet werden dürfen. Dadurch, dass Imitate jetzt dafür umso breiter Anwendung finden, entsteht aber ein neues Problem. Man bereichert sich so schamlos an natürlichen Schönheiten, die über Jahrmillionen in einem mühsamen evolutionären Prozess entstanden sind. Ein Verbot von Fellimitaten, schiebt dieser Ausbeutung einen Riegel vor. 

Kirchenglocken: Wir kennen es alle, dieses penetrante Geläut von Kirchenglocken, welches über viele Minuten mit ohrenbetäubendem Lärm darauf abzielt, die säumigen Gläubigen aus ihren Behausungen zu trommeln und in die Messe zu prügeln. Das an sich ist ja schon bedenklich. Was aber noch bedenklicher ist, ist ein weiteres Signal das ausgesendet wir. Da hierzulande ausschliesslich christliche Kirchen, mit Glocken läuten, wird nicht nur den säumigen Gläubigen eingehämmert, dass sie fehlen, es wird gleichzeitig allen Andersgläubigen eingetrichtert, dass Ihre Religion hier keine Stimme hat.  

Das Lehren der Evolutionstheorie: Es geht nicht darum, die Richtigkeit der Evolutionstheorie zu hinterfragen. Wenn im einzelnen auch Fragen offenbleiben und disputiert werden können, so ist die Evidenz für deren Richtigkeit doch ziemlich gross. Das Problem mit der Evolutionstheorie ist, dass sie missbraucht werden kann. Die Erkenntnis, dass der Fitteste überlebt, kann zu einfach dazu verwendet werden, Unterdrückung oder gar Ausrottung von Volksgruppen zu rechtfertigen. Es ist daher besser das Lehren der Evolutionstheorie zu verbieten und dafür den Kreationismus zu lehren. Dieser muss aber so angepasst werden, dass Frau und Mann gleichzeitig und gleichwertig erschaffen wurden.

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