klimaneutral

June 1st, 2021

Hans hatte sich in den Kopf gesetzt, klimaneutral zu werden. Die Plastiktüte, die er sich über den Kopf stülpte und um den Hals luftdicht verschloss, sollte verhindern, dass mit seiner Atemluft weiter CO2 in die Atmosphäre entweichen kann. 

Die Auferstehung (Anon 20.1 – 20.12)

April 4th, 2021

20.1: Nachdem Jesus tot und vom Kreuz genommen worden war, machte sich Kaiphas auf zu Hannas, um ihm die gute Nachricht zu überbringen.

20.2: Kaiphas sprach: Es wurde vollbracht. Wir stehen jetzt zwar in der Schuld der Römer, aber wir sind den aufwieglerischen Prediger los.

20.3: Hannas erwiderte ihm: Das hast Du gut gemacht mein Sohn. Vergiss die Römer. Auch ihnen war dran gelegen, einen Unruhestifter zu beseitigen. Ich fürchte nur, dass wir noch nicht am Ende sind. 

20.4: Kaiphas schaute Hannas verständnislos an und fragte, was er damit meine.

20.5: Hannas erkannte, dass Kaiphas trotz diesem grossen Erfolg noch unerfahren war und belehrte ihn: Hast Du gesehen, wie viele Leute die Strassen gesäumt haben. Wie viele fröhliche Gesichter hast Du gesehen? Sei versichert, dieser Jesus hat mehr Anhänger, als wir ahnen.

20.6: Kaiphas fühlte sich herabgesetzt und erwiderte trotzig: Er ist tot! Zum Leben erwecken können sie ihn nicht!

20.7: Hannas liess sich dadurch nicht aus seiner Ruhe bringen und belehrte Kaiphas weiter: Das stimmt, aber gerade weil er tot ist, können seine Anhänger zu seinem Grab pilgern. Sie werden sich dort treffen und ihm gedenken. Es wird der Tag kommen, wo einer aus ihren Reihen hervorgehen wird, um sie erneut anzuführen. 

20.8: Jetzt verstand Kaiphas. Er erkannte, dass er noch viel zu lernen hatte und fragte unterwürfig: Was machen wir dagegen?

20.9: Lass ihn verschwinden! Lautete Hannas kurzer Rat.

20.10: Wiederum verstand Kaiphas nicht, was Hannas ihm sagen wollte.

20.11: Hannas war geduldig und legte Kaiphas seinen Plan offen: Schicke Dir treu ergebene Männer aus. Sie sollen noch vor Mitternacht zum Grab gehen, den Stein zur Seite rollen und den Leichnam entfernen. Dann sollen sie ihn mindestens zwei Tagesritte von Jerusalem wegbringen und verscharren. So werden seine Anhänger nichts mehr haben, woran sie sich halten können.

20.12: Und so geschah es. 

Der Schriftsteller, die Toten und die Demut

March 1st, 2021

Ich habe letzte Woche dieses Interview gelesen mit dem bedeutendsten Schriftsteller seines Landes. Er äussert sich über die Corona-Strategie seines Landes und sagt, die vielen Toten seien eine Folge eines Mangels an Demut und dass sein Land die Pandemie so schlecht gemeistert habe, weil es da immer zuerst ums Geld gehe. 

Das habe ich nicht verstanden und so genau hat das der Schriftsteller im Interview leider nicht ausgeführt. Meint er wirklich Geld oder meint er Kosten? Natürlich, da sind die Kosten für die Wirtschaft, das reimt auf Geld. Die Restaurants und kleinen Detailhändler die für immer schliessen müssen. Auch da geht Geld verloren. Und die Kosten für die Kurzarbeit der Serviceangestellten und Köche oder die Beiträge an die Kulturschaffenden. Auch das geht ins Geld. Aber wer bekommt Geld und wer nicht? Und wieviel Geld soll man für eine Reservation von Impfdosen ausgehen?

Aber was ist mit dem Mut der Restaurateure, die nach diesem Trauma nicht wieder aufstehen, um es zu wagen, ein Geschäft mit so engen Margen zu betreiben. Den Grossen, die grösser werden und den kleinen, die eingehen? Den Schülern aus unterprivilegierten Verhältnissen, deren schulischer Rückstand sich ausweitet. Den Berufseinsteigern, die Mühe haben, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen? Dem Anstieg von Depressiven und Suiziden? Diese Kosten lassen sich sowenig mit Geld aufrechnen wie die Toten und die Demut. 

Geht es also um die Kosten, um deren Verteilung gefeilscht wird? Was ist schlecht daran? Würde er die Kostenverteilung einer Partei überlassen? Sieht er eine Elite, der er zutraut, eine gerechte Allokation vorzunehmen? Oder müsste gar ein Diktator her?

Vielleicht suche ich zu weit. Kann es sein, dass der Schriftsteller die Unterscheidung von Kosten und Geld gar nicht machen will. Möglicherweise geht es dem bedeutenden Schriftsteller gar nicht drum etwas Erhellendes zu sagen, denn wahrscheinlich dient sein Kommentar einfach seinem gewerblichen Interesse. In seinem Land geht es ja immer ums Geld. Geld klingt provokativer als Kosten und eignet sich besser, um im Gespräch zu bleiben.