Archive for the ‘Deutsch’ Category

Die Zukunft

Saturday, February 15th, 2020

Ich habe von einer Welt ohne Männer geträumt. Das heißt, nicht ganz, aber fast. Fürs Erste wird es nicht ganz ohne Männer gehen. Dass wir hier trotzdem klarsehen, fürs Funktionieren einer modernen Gesellschaft sind sie schon heute entbehrlicher. Keine Aufgabe, die wir Frauen nicht besser und umsichtiger erledigen würden. Es wird einfach noch einige Fortschritte beim Klonen benötigen. Bis dann werden wir Männer wohl oder übel für die genetische Vielfalt in der Fortpflanzung brauchen. Aber dadurch, dass wir kontrollieren, welche Embryonen zum Austragen freigegeben werden, können wir deren Anzahl auf ein Minimum beschränken. So können wir sie auch gesondert halten und verhindern, dass sie mit Ihren Pheromonen irgendwelche Köpfe in die falsche Richtung drehen. Viele von uns werden von deren Existenz gar nichts erfahren. Und das brauchen sie auch nicht, so wie die Milch aus dem Supermarket, so kommen die Embryonen aus der Gefriertruhe.

Männersorgen

Thursday, January 16th, 2020

Ich kann nicht sagen: «Das war toll!», ohne mir den Vorwurf gefallen zu lassen, eine solch objektive Aussage auf Grund meiner subjektiven Wahrnehmung sei absurd. 

Ich kann nicht fragen: «War es toll?», ohne mir vorwerfen zu lassen, es ginge mir nicht drum den Akt zu genissen, sondern immer nur darum meine Performance beurteilt haben zu wollen.

Wenn sie sagt: «Es war toll!», kann ich nicht sagen: «Ja, es war toll!», ohne dass sie mir vorwirft, keine eigenen Worte zu finden, um meinem Empfinden Ausdruck zu verleihen.

Wenn sie sagt: «Es war toll!», kann ich nicht nichts sagen, ohne dass sie mich vorwurfsvoll fragt, ob es mir den mit ihr keinen Spass mache.

Wenn sie nichts sagt und ich nichts sage, riskiere ich den Vorwurf, meine Gefühle nicht ausdrücken zu können.

Am Anfang (schuf Gott Himmel und Erde)

Thursday, December 26th, 2019

Sicher, es gibt eine ganze Reihe von Bibelstellen, die man am liebsten ändern – wenn nicht gar streichen – möchte. Da wäre zum Beispiel das mit dem Steinigen von Ehebrecher*innen. Diesen Unsinn haben wir zum Glück in der christlich-jüdischen Tradition mittlerweile überwunden. Aber keine Vorschrift hat wohl derart nachhaltig negative Folgen wie die Aufforderung: «… füllt die Erde und mach sie Euch untertan!» Das ganze ökologische Desaster unserer Zeit hat ihren Ursprung in diesen unbedachten Worten. Man kann dem Menschen für einmal nicht vorwerfen, diesem göttlichen Gebot nicht nachgekommen zu sein. Nein, man könnte wahrscheinlich sogar behaupten, dass dies das einzige Gebot ist, das er mit äusserster Konsequenz heute noch befolgt.

Um dem Ganzen Einhalt zu gebieten helfen keine Schulstreiks, kein Emissionshandel und kein Elektromobil. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden. Eine Relativierung der Bibelstelle mit dem Hinweis darauf, dass uns Gott an anderen Stellen zu sorgsamem Umgang mit unserer Erde auffordert, ist auch nicht hilfreich. Um das hinzukriegen, braucht es eine Enzyklika und das ist für neunundneunzigkommaneunneun Prozent von uns zu kompliziert. Nein, was es braucht, ist die Änderung dieser Bibelstelle! Somit lautet der Antrag ganz einfach: Gott soll gesagt haben: «… ich leihe Euch diese Erde, damit Ihr darauf lebet, aber ich will sie jeder Zeit unversehrt zurückfordern können!» 

Kritiker werden erwartungsgemäss entgegnen, dass dies nicht möglich sei. Die Bibel sei keine Verfassung, die man nach Belieben mit Zusätzen ergänzen oder mit Änderungen versetzen könne. Was geschrieben steht, stehe geschrieben. Dem ist zu entgegnen, dass Gott diese Worte (wohl) zu Adam und Eva gesprochen hatte. Und die hatten nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies wohl andere Sorgen, als möglichst genau zu dokumentieren, was Gott ihnen aufgetragen hatte. Sowieso hatten es die beiden mit Geboten nachweislich nicht so genau genommen. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass Adam und Eva diesen Auftrag bewusst verfälschten. 

Vielleicht erübrigt sich ja alle Opposition. Wohin soll ein solcher Antrag überhaupt gestellt werden? Wenn dann auch noch alle, sich auf die Bibel berufenden Religionsgemeinschaften, der Änderung zustimmen müssen, dann endet das ganze wie bei der UNO. Die Hoffnung ruht damit auf einer charismatischen Persönlichkeit, die die Zeichen der Zeit erkennt, Massen konfessionsübergreifend mobilisiert, die geänderte Fassung für richtig erklärt und so unsere Zukunft rettet.