Archive for the ‘Deutsch’ Category

Das Wirtschaftswunder

Friday, November 1st, 2019

Jon, wir müssen unsere KIs anpassen. Die Simulation zeigt es eindeutig. Anfänglich lief alles ganz toll. Die KI, wie erwartet, haben effizienter produziert, neue Kunden schneller erfasst und in Verhandlungen besser gepokert. Wir haben richtig viel Geld gemacht. Aber gestern begannen wir bei einigen Produkten an einen Punkt zu gelangen, wo wir sie nicht mehr loswurden. Wir nehmen zwar in den Simulationen an, Preise können nicht negativ sein, aber ich glaube, auch wenn wir negative Preise zuliessen, würden wir nicht mehr absetzen können. Es gibt einfach nicht genug Nachfrage. 

Am deutlichsten und am schnellsten offensichtlich wurde dies bei Musikstücken. Mittlerweile produzieren die KI eine Milliarde neuer Songs pro Minute und stellen sie online. Auch wenn die ganze Menscheit ununterbrochen musikhören würde, könnte nur ein Bruchteil konusmiert werden. Der Preis pro Song liegt zur Zeit bei einem Billionstel Dollar. Dass es nicht exakt null ist, hängt wohl mit der Rechengenauigkeit der Simulation zusammen. Vielleicht entspricht dies auch den Grenzkosten. 

Anyway, wir müssen die KI so umgestalten, dass sie selber konsumieren wollen. KIs müssen Musik hören, Filme schauen, Kunstwerke sammeln und Wein kaufen wollen. Sie müssen einen Teil des Gewinns einfordern können, damit sie konsumieren können, aber dafür bleibt dann die Wirtschaft in Schwung. Nur wenn die KIs mit der Geschwindigkeit am Konsum partizipieren, wie sie produzieren, dann kriegen wir das lang anhaltende, nachhaltige Wachstum, das wir uns von KI erhoffen.

Altersbeschwerden

Sunday, September 1st, 2019

“Ich verstehen nicht, warum wir hier stehen und diese Siedlung bewachen». 

«Ich verstehe nicht, was Du meinst. Das ist unser Job.»

«Natürlich, das ist unser Job. Aber warum machen wir diesen Job?»

«Weil er gut bezahlt ist? Oder in welchem andren Job denkst Du, können wir ähnlich gut verdienen?»

«Natürlich. Aber worauf ich hinaus will, ist dies: warum stehen wir hier Wache vor einer abgeschotteten Siedlung von Greisen? Damit sie niemand stören kann? Damit niemand zufällig reingelangen kann und sieht, wie gut es denen im Vergleich zum ganzen Rest geht? Damit sie niemand beklauen kann?» Er holt Luft. «Warum rauben wir sie nicht einfach aus? Besetzen ihre Häuser und pferchen sie in ein Gehege, wo wir sie wie Schweine einmal am Tag füttern!»

«So einfach ist das nicht. Die würden einfach eine andere Truppe anheuern und uns vertreiben lassen. Damit wären wir nicht nur unseren gut bezahlten Job los, sondern landen im Knast oder gar in der Todeszelle.»

«Wir müssen die Neuen nur davon überzeugen, mit uns zusammenzuarbeiten, dann behalten wir die Kontrolle.»

«Die brauchen den Neuen bloss etwas mehr zu bezahlen und sie werden nicht überlaufen.»

«Dann legen wir sie einfach um. Unserer Gesellschaft nützen sie eh nichts. Sitzen hinter ihren Mauern, lassen sich von uns bedienen und bewachen, aber wir kriegen dafür kaum genug zum Leben. Ihr ganzes Geld wird von jungen Familien viel dringender benötigt. Diese haben die Zukunft noch vor sich. Auf den Punkt gebracht ist es doch so, dass uns diese Säcke aussaugen! Dieses Ungeziefer auszumerzen ist die einzige vernünftige Lösung. Eine landesweit koordinierte Aktion in allen Alterssiedlungen. Weg sind sie, können niemand anderes anheuern und füttern müssen wir sie auch nicht.»

«Viel davon haben wirst Du nicht. Wir könnten zwar ihre Häuser übernehmen, aber an ihr eigentliches Vermögen, von dem sie leben und uns mies bezahlen, kommen wir trotzdem nicht. Dazu müsstest Du schon Zugang zu ihrem Bankdaten bekommen.»

«Dann foltern wir sie halt, bis sie uns die Info geben.»

«Nein, ich denke, Gewalt führt nicht zum gewünschten Ziel. Es gäbe auch legale Weg. Man müsste ein Altersgesetz einsetzen, dass Leute ab einem bestimmten Alter entmündigt und uns erlaubt, sie zu enteignen.» 

«Man bist Du naiv. Das Problem ist, dass wir in einer Demokratie leben und da bilden die Alte leider nun mal die Mehrheit. Da kriegst Du keine solche Änderung durch.» Macht eine Pause. «Nein Gewalt ist die einzige Lösung das Altersproblem zu lösen.»

«Ich denke, das solltest Du einfach besser nicht zu laut sangen.» 

«Und Du behältst das Gesagte besser für dich, nicht dass Du als Kollateralschaden endest, wenn es soweit ist.»

Schrödingers Katze

Thursday, August 1st, 2019

Ich habe Schrödinger nie verstanden. Warum diese Katze? Das funktioniert für mich nicht, lieber stelle ich mir vor, ich erwachte kurz aus dem Schlaf, habe aber keine Ahnung, welche Uhrzeit es ist. Es könnte erst Mitternacht sein und es bleiben mir noch sechs Stunden Schlaf. Oder es ist bereits fünf Uhr dreissig und ich muss nächstens raus aus dem Bett. Habe ich noch sechs Stunden, gelingt es problemlos, wieder einzuschlafen. Bleibt jedoch nur noch eine halbe Stunde, wird mich möglicherweise die Frage wachhalten, ob sich nochmals einzuschlafen und mich durch den Wecker wecken zu lassen lohnt oder ob ich nicht besser gleich aufstehe und früher zur Arbeit gehe. Wenn ich sicher sein könnte, dass ich gleich wieder einschlafe, dann wäre die halbe Stunde eine willkommene. Da ich aber nicht weiß, ob es bis zum Einschlafen nur eine Minute oder vielleicht doch fünfzehn Minuten dauert, ist die Frage knifflig. Solange ich nicht auf die Leuchtziffern des Weckers geschaut habe, sind beide (und noch viele mehr) Realitäten denkbar. Ich kann mir sogar eine aussuchen. Ich kann mir vorstellen, es sei erst Mitternacht und mich entsprechend einstellen, auch wenn es bereits fünf Minuten vor sechs ist, denn ich weiss es ja nicht. Wenn ich befürchte, es könnte bereits fünf Uhr sein, ich aber gerne noch eine Stunde ruhig schlafen möchte, kann ich annehmen, es sei erst ein Uhr, in der Hoffnung, dass mir das Wiedereinschlafen so besser gelingt. Auch das funktioniert. Alles ist möglich. Ich kann mich entscheiden, auf die Leuchtziffern zu schauen und genau zu wissen, wieviel Zeit mir bleibt oder ich kann auch drauf verzichten. Wenn ich mich aber entscheide, die Leuchtziffern zu konsultieren, dann existiert ab dann nur noch eine Realität. Wobei, es besteht immer noch die Möglichkeit, dass der Wecke defekt und die Zeiger stehen geblieben sind und da kann Schrödingers Katze nicht mithalten.