Archive for 2017

#MeToo

Friday, December 1st, 2017

Es war an meinem fünfunddreissigsten Geburtstag. Wie in unserer Firma üblich trafen wir uns nach der Arbeit im Pub, wo ich die ersten beiden Runden Bier ausgab. Wie in unserer Firma üblich, wird man bei diesen Gelegenheiten von einzelnen Personen oder Grüppchen mit kleineren Geschenken bedacht. So wickelte ich aus einem der Papiere eine Dose. Eine Dose mit der Aufschrift „Hose aus der Dose“. Aus der Dose zog ich eine Unterhose mit der Aufschrift „Knackarsch“. Zugegeben ich war für meine fünfunddreissig Jahre gut in Form. Nur, die Girls aus meinem Team, die mir die Dose (resp. Hose) geschenkt hatten, waren nicht wirklich mein Typ und das Ganze war mir irgendwie peinlich. Trotzdem lachte ich herzlich und bedankte ich mich nett dafür. Ich wollte ihnen ja nicht den Spass verderben.

Der Nobelpreis

Wednesday, November 1st, 2017

Ich bin weit überdurchschnittlich intelligent. Das hat sich seit früher Kindheit laufend bestätigt. Nie konnte mir jemand ernsthaft das Wasser reichen. Meine Gedankengänge waren stets klarer, origineller und brillanter als die der Anderen. Auch im Freundes- und Familienkreis musste ich regelmäßig feststellen, wie dürftig der Durchschnitt mit analytischen Gaben ausgestattet ist. Kaum jemand ist in der Lage, mehr als hier und dort gelesenen Unsinn wiederzugeben. Meine Versuche, durch Leserbriefe und Wortergreifen bei Versammlungen klare Sichten zu vermitteln, wurden nicht verstanden und belächelt.

Dem ganzen Nobelpreiszirkus stehe ich zwar kritisch gegenüber. Zu oft werden die Preise aus politischem Kalkül an zweitklassige Forscher vergeben. Aber der Nobelpreis hat seine guten Seiten. Seit mir der Preis verliehen wurde, hat meine Stimme auch außerhalb meines Fachgebietes Gewicht. Der Preis hat es viel einfacher gemacht, Plattformen zu finden, um mich zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu äussern. Somit kann ich eigentlich erst jetzt meine überdurchschnittliche Intelligenz als wirklich sinnvoll genutzt erachten.

Der Henker

Sunday, October 1st, 2017

Die Rekrutierung von Henkern ist und bleibt eine Herausforderung. Die bis heute beste Strategie ist, Henker durch eine überdurchschnittliche Besoldung zu gewinnen. Auf den ersten Blick mag dies befremden. Warum soll jemand, dessen Hauptaufgabe es ist, andere Menschen zu töten, dafür fürstlich entlohnt werde. Es scheint, dass genau in diesem Widerspruch das Problem liegt. 

Als wir die Henker noch ehrenamtlich, also ohne Entschädigung beschäftigten, konnten wir durchaus Henker rekrutieren. Diese machten ihren Job in der Regel auch sehr gut. Viele übten sich zudem in der Freizeit in der Handhabe von Äxten und Schwertern. Im Allgemeinen meldeten sich für den Job aber eher dubiose Gestalten, bei denen man nicht so richtig sicher war, ob sie dem Töten nicht gar eine gewisse Befriedigung abgewannen.

Der Versuch, Henker aus den Reihen der aktiven, männlichen Bevölkerung durch Losen zu bestimme, war noch weniger erfolgreich. Viele weigerten sich, trotz der damit verbundenen hohen Geldstrafen, die Aufgabe wahrzunehmen. Diese Strafen brachten zwar etwas zusätzliche Einnahmen in die Staatskasse, aber die Probleme endeten damit nicht. Diejenigen, die das Amt dann widerstrebend ausführten, taten dies mehr schlecht als recht. Oft waren ihre Schläge unpräzis oder kraftlos, so dass häufig ein zweiter Schlag nötig war, um den zum Tode verurteilten ganz zu enthaupten. Dieser Zustand wurde bald so unerträglich, dass wir eben auf das heutige System wechselten.

Der Henker geniesst noch immer ein zweifelhaftes Image und die meisten würden die Aufgabe immer noch aus ethischen Gründen ablehnen. Den Effekt den die Ansiedlung in der höchsten Beamtenbesoldungsklasse hat, kann man als Reduktion dieser ethisch-moralischen Hemmschwelle verstehen. Für viele reicht dies nicht, um die individuelle Hemmschwelle zu unterschreiten, aber es reicht im Durchschnitt, um eine grosse Zahl anständiger, normaler Bürgern in den Kandidatenpool zu spülen. Dadurch können wir einerseits dubiose Figuren aussortieren und wir haben gewisse Gewähr, dass die rekrutierten Henker auch alles dransetzen, einen guten Job zu machen und uns die hässlichen Szenen der Vergangenheit ersparen, denn wer will schon seinen gutbezahlten Job verlieren.