Archive for 2014

Mein Ende als Nikolaus

Sunday, December 7th, 2014

Ich vermisse meinen Job. Natürlich ist Nikolaus kein Full Time Job und daher hat das Ganze keine finanziellen Konsequenzen. Aber es geht mir nah, weil die Umstände – man könnte sagen – ungeklärt bleiben.

Das Problem war, dass sich Reklamationen zu häufen begannen, dass ich nicht konzentriert arbeiten würde. Dazu muss man wissen, dass es in unserer Region der Brauch ist, dass der St. Nikolaus zu den Kindern nach hause in die gute Stube geht. Dabei bringt der den Kindern Lob und Tadel und danach, so quasi für die ausgestandenen Qualen des Verhörs auch noch kleine Geschenke, sicher aber Nüsse und Mandarinen. Die Eltern sprechen mit dem Nikolaus vorgängig Lobens- und Tadelnswertes ab. Und auch die Geschenke werden von den Eltern besorgt.

Eltern haben sich zu beschweren begonnen, ich hätte Lob oder Tadel vergessen und die Kinder verwechselt. Unser Obmann hat mir diese Beschwerden vorgetragen. Er liess mich aber vorerst weiter meinen Job machen, da ich ihm versicherte, dass ich weder trinke, noch dass sich solche Symptome am meinem Arbeitsplatz bemerkbar machten. Nach dem Eintreffen von Beschwerden im Folgejahr liess er mich aber wissen, dass er auf meine Dienste zukünftig verzichten werden.

Vielleicht hätte er sich erwärmen lassen, mir eine letzte Chance zu geben, aber dazu hätte ich ihm wohl die wahren Hintergründe offenlegen müssen. Ich hätte erklären müssen, dass mir die jungen Mütter Probleme bereiten. Ich hätte erklären müssen, dass ich mir jeweils vorstelle, wie sich diese jungen Mütter ihre Kleider abstreifen und dann in aufreizender Unterwäsche vor mir stehen. Ich hätte erklären müssen, dass ich mir vorstelle, wie es sich anfühlen würde, ihre vollen Brüste in meinen Händen zu halten oder dass ich mich fragte, ob sie sich oral befriedigen lassen. Bei all dieser Erregung passiert es eben dann, dass ich in meinem Plot den Faden verliere oder mich wiederhole. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich ganz verpasst habe, ein Kind anzusprechen.

Am Ende ist es besser so. Den Familien und Kindern werden irritierende Momente – St. Nikolaus begeht nun mal keine Fehler – in Zukunft erspart. Es ist auch zu befürchten, dass mir der Job nicht mehr gar so viel Spass machen würde, wenn ich nur noch Kinder, bei Ihren Grossmüttern oder bei alleinerziehenden Vätern besuchen dürfte.

Unsere Katze

Saturday, November 1st, 2014

Nein, unsere Kinder haben den Verlust unserer Katze noch immer nicht ganz überwunden. Wir haben zwar versucht, ihnen die Notwendigkeit, die Katze abzutun, so nachvollziehbar wie nur möglich zu machen, aber es ist doch auch verständlich, dass sie an der Katze hingen. Trotzdem war es uns auch wichtig, dass sie erkennen, dass Mitleid oder Nachsicht keine Probleme löst. Zudem haben wir, wage ich zu behaupten, auch sehr viel Geduld gezeigt.

Sicher ist, unsere Katze bekam immer genügend Futter. Es gab für sie also keinen Grund, andere Tiere zu jagen, um sich zu ernähren. Ganz offensichtlich jagte, quälte und tötete sie andere Tiere aus purer Lust. Anfänglich hatten wir versucht, sie durch geeignete Erziehung davon abzubringen. Und so gaben wir ihr immer einen Klaps auf die Nase, wenn sie ein totes Tierlein anschleppte. Das schien bereits nach wenigen Wochen Erfolg zu zeigen. Auf jeden Fall trafen wir weder auf tote Mäuse noch auf verletzte Vögel, die verängstigt in unserem Haus herumflatterten. Als uns unser Nachbar anrief, weil unsere Katze auf seiner Terrasse mit einer verletzten Eidechse spiele und er nicht wisse, was er tun soll, kamen wir auf den Boden der Realität zurück.

Als mein Mann und ich die Sache berieten, gab es nicht wirklich viele Alternativen. Es kam für uns nicht in Frage, ein Haustier zu unterhalten, das andere Tiere tötet ohne Not. Auch ein permanentes Einsperren in ein Heim war keine Option, denn Tiere sollten sich in der Natur frei bewegen können. Die Anwendung einer schmerzfreien Tötungsmethode schien uns die humanste Lösung für das Problem.

Die Unterführung

Thursday, October 2nd, 2014

Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelang, der Erste zu sein. Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, dass jemand anderes so nahe an der Sache war, um schneller zu sein. Ab dem Zeitpunkt, als sie mit dem Bau unserer U-Bahnstation begonnen hatten, habe ich den Fortschritt der Bauarbeiten genausten verfolgt. Und ich kannte auch den genauen Einweihungszeitpunkt.

Nicht, dass mich seither der Uringeruch in U-Bahnstationen weniger ekeln würde. Auch unser U-Bahnstation stinkt je länger desto jämmerlicher. Aber irgendwie ist es trotzdem ein verführerischer Gedanke, dass alle jene, die in die  Station pinkeln im Prinzip Nachahmer sind. Auch die Frage ist spannend, was gewesen wäre, wenn ich es nicht getan hätte. Hätte sich grundsätzlich was geändert? Natürlich nicht! Warum also soll nicht wenigstens ich der Erste gewesen sein?