Tod der Familie!

July 31st, 2021

Ich habe von einer besseren Welt geträumt. Begonnen hat mein Traum allerdings eher wie ein Albtraum. Ich habe eine dieser deprimierenden Studien gelesen – oder wurde sie präsentiert, – die einem vor Augen führen, dass von Chancengleichheit noch immer keine Rede sein kann. 

An eine feurige Diskussion mag ich mich erinnern. Wohl wurde die Studie also doch eher einer Gruppe, von der ich Teil war, präsentiert. Empörte Ausrufe folgten der Präsentation: «Was haben wir nicht schon alles versucht?!» «Allen Schülern haben wir kostenlose Lernhilfen zur Seite gestellt.» «Studiengebühren haben wir abgeschafft!» «Alles ohne Erfolg!» Noch immer schafft es nur ein Bruchteil aller Kinder, deren Eltern nicht schon Akademiker sind, zu einen Uniabschluss.

Eine Stimme mit viel Gehalt an natürlicher Autorität brachte den Aufruhr zum Verstummen. «Diese Studien lassen nur einen Schluss zu», folgerte die Stimme. «Dass nämlich die grösste Hürde beim sozialen Aufstieg, die Familie ist. Eltern, die den Aufstieg nicht geschafft haben, könne oder wollen offenbar Ihren Kindern nicht die nötige Motivation vermitteln, die es braucht, bis zum Studienabschluss durchzuhalten.» 

«Wir können so weitermachen», fuhr die die Stimme ironisch fort. «Und können als nächstes versuchen, direkter auf die Eltern einzuwirken. Versuchen sie im Rahmen von Elternabenden oder an speziellen Veranstaltungen von der Wichtigkeit, ihren Kindern eine Perspektive zu geben, zu überzeugen. Wenn man aber weiss, wie viele Eltern generell Informationsveranstaltungen an Schulen fernbleiben, sind Zweifel, ob der Ansatz funktionieren wird, mehr als angebracht.»

«Nein! Wir dürfen nicht länger zulassen, dass Eltern die Zukunft Ihrer Kinder durch Gleichgültigkeit ruinieren! Nur wenn wir Eltern gänzlich die Erziehung entziehen und in staatliche Obhut geben, werden wir dieser Benachteiligung Herr werden. So können wir verhindern, dass unterbelichtete Eltern das Potenzial ihrer Kinder nicht erkennen. Gleichzeitig verhindern wir, dass begüterte Eltern ihrem unterbelichteten Nachwuchs einen unfairen Vorteil verschaffen!» 

Das Ende des Traumes war eher diffus. Ich erinnere mich, dass die Begeisterung für diesen Vorschlag riesig war. Es gab sogar feurige Voten, die gar verlangten, noch weiterzugehen und die Fortpflanzung in staatliche Hände zu legen. Ob etwas von den Forderungen umgesetzt wurde, liess der Traum offen oder entzieht sich meiner Erinnerung. Es scheint mir jetzt auch gar nicht mehr klar, ob wir da als Gremium, das solche Ideen umsetzen könnte, zusammenkamen oder ob wir bloss Teil einer politischen Versammlung waren. Aber das spielt eigentlich gar keine Rolle. Die Forderung scheint mir auch so überzeugend genug, um sie mir auf die Fahne zu schreiben.

klimaneutral

June 1st, 2021

Hans hatte sich in den Kopf gesetzt, klimaneutral zu werden. Die Plastiktüte, die er sich über den Kopf stülpte und um den Hals luftdicht verschloss, sollte verhindern, dass mit seiner Atemluft weiter CO2 in die Atmosphäre entweichen kann. 

Die Auferstehung (Anon 20.1 – 20.12)

April 4th, 2021

20.1: Nachdem Jesus tot und vom Kreuz genommen worden war, machte sich Kaiphas auf zu Hannas, um ihm die gute Nachricht zu überbringen.

20.2: Kaiphas sprach: Es wurde vollbracht. Wir stehen jetzt zwar in der Schuld der Römer, aber wir sind den aufwieglerischen Prediger los.

20.3: Hannas erwiderte ihm: Das hast Du gut gemacht mein Sohn. Vergiss die Römer. Auch ihnen war dran gelegen, einen Unruhestifter zu beseitigen. Ich fürchte nur, dass wir noch nicht am Ende sind. 

20.4: Kaiphas schaute Hannas verständnislos an und fragte, was er damit meine.

20.5: Hannas erkannte, dass Kaiphas trotz diesem grossen Erfolg noch unerfahren war und belehrte ihn: Hast Du gesehen, wie viele Leute die Strassen gesäumt haben. Wie viele fröhliche Gesichter hast Du gesehen? Sei versichert, dieser Jesus hat mehr Anhänger, als wir ahnen.

20.6: Kaiphas fühlte sich herabgesetzt und erwiderte trotzig: Er ist tot! Zum Leben erwecken können sie ihn nicht!

20.7: Hannas liess sich dadurch nicht aus seiner Ruhe bringen und belehrte Kaiphas weiter: Das stimmt, aber gerade weil er tot ist, können seine Anhänger zu seinem Grab pilgern. Sie werden sich dort treffen und ihm gedenken. Es wird der Tag kommen, wo einer aus ihren Reihen hervorgehen wird, um sie erneut anzuführen. 

20.8: Jetzt verstand Kaiphas. Er erkannte, dass er noch viel zu lernen hatte und fragte unterwürfig: Was machen wir dagegen?

20.9: Lass ihn verschwinden! Lautete Hannas kurzer Rat.

20.10: Wiederum verstand Kaiphas nicht, was Hannas ihm sagen wollte.

20.11: Hannas war geduldig und legte Kaiphas seinen Plan offen: Schicke Dir treu ergebene Männer aus. Sie sollen noch vor Mitternacht zum Grab gehen, den Stein zur Seite rollen und den Leichnam entfernen. Dann sollen sie ihn mindestens zwei Tagesritte von Jerusalem wegbringen und verscharren. So werden seine Anhänger nichts mehr haben, woran sie sich halten können.

20.12: Und so geschah es.