Schrödingers Katze

August 1st, 2019

Ich habe Schrödinger nie verstanden. Warum diese Katze? Das funktioniert für mich nicht, lieber stelle ich mir vor, ich erwachte kurz aus dem Schlaf, habe aber keine Ahnung, welche Uhrzeit es ist. Es könnte erst Mitternacht sein und es bleiben mir noch sechs Stunden Schlaf. Oder es ist bereits fünf Uhr dreissig und ich muss nächstens raus aus dem Bett. Habe ich noch sechs Stunden, gelingt es problemlos, wieder einzuschlafen. Bleibt jedoch nur noch eine halbe Stunde, wird mich möglicherweise die Frage wachhalten, ob sich nochmals einzuschlafen und mich durch den Wecker wecken zu lassen lohnt oder ob ich nicht besser gleich aufstehe und früher zur Arbeit gehe. Wenn ich sicher sein könnte, dass ich gleich wieder einschlafe, dann wäre die halbe Stunde eine willkommene. Da ich aber nicht weiß, ob es bis zum Einschlafen nur eine Minute oder vielleicht doch fünfzehn Minuten dauert, ist die Frage knifflig. Solange ich nicht auf die Leuchtziffern des Weckers geschaut habe, sind beide (und noch viele mehr) Realitäten denkbar. Ich kann mir sogar eine aussuchen. Ich kann mir vorstellen, es sei erst Mitternacht und mich entsprechend einstellen, auch wenn es bereits fünf Minuten vor sechs ist, denn ich weiss es ja nicht. Wenn ich befürchte, es könnte bereits fünf Uhr sein, ich aber gerne noch eine Stunde ruhig schlafen möchte, kann ich annehmen, es sei erst ein Uhr, in der Hoffnung, dass mir das Wiedereinschlafen so besser gelingt. Auch das funktioniert. Alles ist möglich. Ich kann mich entscheiden, auf die Leuchtziffern zu schauen und genau zu wissen, wieviel Zeit mir bleibt oder ich kann auch drauf verzichten. Wenn ich mich aber entscheide, die Leuchtziffern zu konsultieren, dann existiert ab dann nur noch eine Realität. Wobei, es besteht immer noch die Möglichkeit, dass der Wecke defekt und die Zeiger stehen geblieben sind und da kann Schrödingers Katze nicht mithalten.

Chancen erkennen

July 1st, 2019

CFO: Diese neue Anforderung wird uns umbringen. 

COO: Lass uns kühlen Kopf bewahren. Es wird sich ein Weg finden lassen, diese Anforderungen zu erfüllen, ohne dass es unsere Finanzen übermässig strapaziert.

CFO: Sag mir wie. Die Vorschrift scheint uns nicht wirklich Optionen offen zu lassen. Es heisst da klar: «Mütter müssen ihre zur Arbeit mitgebrachten Kinder stillen können, ohne dem Risiko ausgesetzt zu sein, dass Arbeitskollegen ihre Brüste betrachten können». Ausser durch das Einrichten eines Stillzimmers wird diese kaum zu erfüllen sein. 

COO: Ein separates Zimmer wird dies kaum erfordern. Es wird bestimmt ausreichen, einen Bereich des Büros durch Vorhänge, die bis zum Boden reichen, abzutrennen. 

CFO: Mag sein. Aber das kostet uns trotzdem Bürofläche für zwei Mitarbeiter, was immerhin zehn Prozent unserer gesamten Bürofläche entspricht. Und Du weißt, wie teuer Bürofläche in dieser Stadt ist. 

COO: Auch das ist vielleicht gar nicht nötig. Wir müssen bloss verhindern, dass die Arbeitskollegen der Stillenden auf die Brüste schauen können. Das sollte sich bewerkstelligen lassen, indem wir eine Stillende geeignet setzen und verlangen, dass alle Mitarbeiter Augenklappen – so wie die Scheuklappen bei Pferden – aufsetzen, wann immer die Mutter stillt. Dann brauchen wir noch ein kleines Glöckchen – so wie an einer Reception. Die Stillende nimmt das Glöckchen, klingelt, die Mitarbeiter setzen die Stillaugenklappen auf, können ungestört ihre Bildschirmarbeit weiterführen, können aber nicht auf die Brüste starren, wenn gestillt ist, erklingt wieder das Glöckchen und die Augenklappen können wieder abgenommen werden. 

CFO: Das ist genial. Wenn wir schnell sind, können wir diese Stillaugenklappen noch patentieren und in Lizenz produzieren lassen. Für Nachfrage müsste eigentlich gesorgt sein.

Freiheit?

June 1st, 2019

Frei ist, wer keine Verantwortung trägt.