Die Auferstehung (Anon 20.1 – 20.12)

April 4th, 2021

20.1: Nachdem Jesus tot und vom Kreuz genommen worden war, machte sich Kaiphas auf zu Hannas, um ihm die gute Nachricht zu überbringen.

20.2: Kaiphas sprach: Es wurde vollbracht. Wir stehen jetzt zwar in der Schuld der Römer, aber wir sind den aufwieglerischen Prediger los.

20.3: Hannas erwiderte ihm: Das hast Du gut gemacht mein Sohn. Vergiss die Römer. Auch ihnen war dran gelegen, einen Unruhestifter zu beseitigen. Ich fürchte nur, dass wir noch nicht am Ende sind. 

20.4: Kaiphas schaute Hannas verständnislos an und fragte, was er damit meine.

20.5: Hannas erkannte, dass Kaiphas trotz diesem grossen Erfolg noch unerfahren war und belehrte ihn: Hast Du gesehen, wie viele Leute die Strassen gesäumt haben. Wie viele fröhliche Gesichter hast Du gesehen? Sei versichert, dieser Jesus hat mehr Anhänger, als wir ahnen.

20.6: Kaiphas fühlte sich herabgesetzt und erwiderte trotzig: Er ist tot! Zum Leben erwecken können sie ihn nicht!

20.7: Hannas liess sich dadurch nicht aus seiner Ruhe bringen und belehrte Kaiphas weiter: Das stimmt, aber gerade weil er tot ist, können seine Anhänger zu seinem Grab pilgern. Sie werden sich dort treffen und ihm gedenken. Es wird der Tag kommen, wo einer aus ihren Reihen hervorgehen wird, um sie erneut anzuführen. 

20.8: Jetzt verstand Kaiphas. Er erkannte, dass er noch viel zu lernen hatte und fragte unterwürfig: Was machen wir dagegen?

20.9: Lass ihn verschwinden! Lautete Hannas kurzer Rat.

20.10: Wiederum verstand Kaiphas nicht, was Hannas ihm sagen wollte.

20.11: Hannas war geduldig und legte Kaiphas seinen Plan offen: Schicke Dir treu ergebene Männer aus. Sie sollen noch vor Mitternacht zum Grab gehen, den Stein zur Seite rollen und den Leichnam entfernen. Dann sollen sie ihn mindestens zwei Tagesritte von Jerusalem wegbringen und verscharren. So werden seine Anhänger nichts mehr haben, woran sie sich halten können.

20.12: Und so geschah es. 

Der Schriftsteller, die Toten und die Demut

March 1st, 2021

Ich habe letzte Woche dieses Interview gelesen mit dem bedeutendsten Schriftsteller seines Landes. Er äussert sich über die Corona-Strategie seines Landes und sagt, die vielen Toten seien eine Folge eines Mangels an Demut und dass sein Land die Pandemie so schlecht gemeistert habe, weil es da immer zuerst ums Geld gehe. 

Das habe ich nicht verstanden und so genau hat das der Schriftsteller im Interview leider nicht ausgeführt. Meint er wirklich Geld oder meint er Kosten? Natürlich, da sind die Kosten für die Wirtschaft, das reimt auf Geld. Die Restaurants und kleinen Detailhändler die für immer schliessen müssen. Auch da geht Geld verloren. Und die Kosten für die Kurzarbeit der Serviceangestellten und Köche oder die Beiträge an die Kulturschaffenden. Auch das geht ins Geld. Aber wer bekommt Geld und wer nicht? Und wieviel Geld soll man für eine Reservation von Impfdosen ausgehen?

Aber was ist mit dem Mut der Restaurateure, die nach diesem Trauma nicht wieder aufstehen, um es zu wagen, ein Geschäft mit so engen Margen zu betreiben. Den Grossen, die grösser werden und den kleinen, die eingehen? Den Schülern aus unterprivilegierten Verhältnissen, deren schulischer Rückstand sich ausweitet. Den Berufseinsteigern, die Mühe haben, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen? Dem Anstieg von Depressiven und Suiziden? Diese Kosten lassen sich sowenig mit Geld aufrechnen wie die Toten und die Demut. 

Geht es also um die Kosten, um deren Verteilung gefeilscht wird? Was ist schlecht daran? Würde er die Kostenverteilung einer Partei überlassen? Sieht er eine Elite, der er zutraut, eine gerechte Allokation vorzunehmen? Oder müsste gar ein Diktator her?

Vielleicht suche ich zu weit. Kann es sein, dass der Schriftsteller die Unterscheidung von Kosten und Geld gar nicht machen will. Möglicherweise geht es dem bedeutenden Schriftsteller gar nicht drum etwas Erhellendes zu sagen, denn wahrscheinlich dient sein Kommentar einfach seinem gewerblichen Interesse. In seinem Land geht es ja immer ums Geld. Geld klingt provokativer als Kosten und eignet sich besser, um im Gespräch zu bleiben.

Die Lawine

February 20th, 2021

Wir sitzen schon Tage untätig hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht. Weder können wir auf die Pisten, noch können wir aus dem Tal ausreisen.

Vor drei Tagen fiel der grosse Schnee, was die unvermeidliche Lawinengefahr brachte. Üblicherweise werden am Tag nach dem Schneefall, durch Sprengungen gezielt Lawinen ausgelöst, so dass danach die Pisten wieder ohne Gefahr befahren werden können. Diesmal fanden bis heute keine Sprengungen statt und wir sitzen hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht. 

Als sich am ersten Tag nichts tat, wurde die Vermutung herumgereicht, die Sprengladungen könnten nicht ins Zielgebiet gebracht werden, wegen dem vielen Schnee. Für uns, die regelmässig in diesem Tal Urlaub machen, war das keine plausible Erklärung. In vergangenen Jahren wurden zu diesem Zweck meist Helikopter eingesetzt. 

Als es nach zwei Tagen dann hiess, Sprengungen seinen gerichtlich untersagt worden, schien uns dies absurd. Aber was im ersten Moment absurd erscheint, entpuppt sich allzu oft als bittere Realität. Gegen die künstliche Auslösung der Lawinen wurde tatsächlich geklagt. In einem Teil des Bannwaldes, den eine der Lawinen wahrscheinlich treffen würde, stehen einige prächtige Zirbelkiefern, die wohl an die 100 Jahre alt sein mögen. Diese seien schützenswert, durch die Lawine gefährdet und auf die Lawinenauslösung sei deshalb zu verzichten, lautet der Antrag, der von einem Aktivisten nationaler Bedeutung eingebracht wurde.

Befürworter einer Sprengung wurden angehört. Würde die Lawine in einigen Tagen natürlich abgehen, könnte es die Zirbeln genauso treffen. Am Ende des Tages sei ein Bannwald gerade dazu angelegt, um die Wucht eine Lawine aufzunehmen, was unweigerlich zum Verlust von Bäumen führen muss. Man könne ja nicht hunderte von Touristen im Tal festsetzen, während man über das Schicksal einiger alten Zirbeln entscheide. Dies würde enorme Kosten mit sich bringen. 

Man sagt, der zuständige Richter verstehe die Argumente der Befürworter. Aber er weiss wohl auch, dass auf nationaler Ebene dem Schutz alter Baumbestände meist höheres Gewicht gegeben wird, als lokalen wirtschaftlichen Interessen. So fand er es wohl angebracht, die Lawinenauslösung vorerst zu unterbinden, wohl in der Hoffnung, dass diese natürlich abgehen und sich das Problem von selbst lösen wird.